10.05.2015

Von Schelkowo verzaubert

„Was ich über Russen denke? Hm. Wodka ist wie Wasser für sie und wenn sie Geld besitzen, so muss es gleich die ganze Welt erfahren und an ihren Fahrstil möchte ich gar nicht erst denken. Und besonders die jüngere Generation wird immer schamloser! - Aber wenn du schon so direkt fragst, kenne ich keinen richtigen Russen…“

Man hatte noch nie richtigen Kontakt mi einem Menschen aus dem Osten und läuft mit solchen Vorurteilen durch die Welt!? – Ich denke es wird Zeit reinen Tisch zu machen!

Für uns Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Leopold-Woeste-Gymnasiums, der Realschule sowie der Märkischen Schule und der Gesamtschule war die kurze Zeit vom 23.4. bis zum 29.4.2015 in Hemers russischer Partnerstadt Schelkowo eine sehr einprägsame und emotionale. Natürlich stellt man sich die Frage:  „Was ist denn passiert?“

Akkurat gekleidete Kinder, eine imposante Innenausstattung, strenge Regeln und neugierige Blicke erwarteten uns am ersten Tag, sobald wir die Schule Nr. 12 betraten. Und dennoch war der Empfang so herzlich, dass man am liebsten freiwillig in der Schule blieb. Erst nach der Teilnahme an einigen Unterrichtsstunden wurde einem bewusst, wie wichtig den russischen Schülern ihre Schulausbildung ist. Sie bekommen für jede Stunde eine Zensur und arbeiten diszipliniert dafür. Wer einmal eine russische Schule besucht, so verlässt er diese mit einer ganz anderen Sichtweise von Schule und vergisst nie wieder die familiäre Geborgenheit, die im Inneren herrscht.

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 Mit der Deutschklasse der Schule Nr. 12                                    Grundschulklasse in Schule Nr. 12

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Gesprächsrunde im Gymnasium von Schelkowo

Später wurden wir noch von der Bürgermeisterin Nadeshda Surovzeva empfangen.  Als wir registrierten, dass wir für einen russischen Kanal gefilmt wurden, saßen alle ganz still da und ließen die Erwachsenen sprechen. Nur später wurden einige von uns von der Presse einzeln interviewt. Nach dem Besuch verließen alle den Raum mit vollen Händen, denn jeder Gast hatte nach russischem Brauch kleine Geschenke bekommen.
Abends ging es dann zu den russischen Familien, wo alle auch noch am Samstag blieben. – Was dort passiert ist? Das bleibt ein Geheimnis, denn schließlich sollen Sie Russland einmal mit eigenen Augen erleben.

Sieht man Moskau zum ersten Mal, so weiß man nicht, welche Richtung man zuerst anvisieren soll. So irrten wir scheinbar über den Roten Platz und bestaunten alles und jeden, besonders beeindruckend war aber die bunteste Kirche Moskaus, die Basilius-Kathedrale.  Im Kreml wurden noch drei weitere Kirchen besichtigt, die einem schier den Atem raubten. Russlands Kirchen sind wahrscheinlich die schönsten der Welt. Einen  harmonischen Eindruck hinterließ auch der Alexandergarten vor dem Kreml.

Am 27.4. gingen wir alle gemeinsam los und bemalten Ostereier! – Nun, nicht ganz. Denn dies stand als ein Punkt auf dem Programm des Gymnasiums, welches wir an dem Tag besuchten und dabei puren Luxus genossen. Denn Schüler und Lehrer  stellten für uns ein ganzes Kulturprogramm zusammen, von Gesang über Tanz zu akrobatischer Gymnastik. Die Gastfreundschaft und der herzliche Empfang ließen uns eine Gänsehaut bekommen. Nach dem Pflanzen eines Freundschaftsbaumes auf dem Gelände des Gymnasiums schworen wir – die russischen und die deutschen Schüler- uns, dass wir in Kontakt bleiben werden.

Nachmittags besuchten wir noch die Gedenkstätte auf dem deutschen Kriegsgräberfriedhof am Rande von Schelkowo, wo wir nach russischem Brauch  in Gedenken an die Toten des Krieges rote Nelken niederlegten.

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Auf dem Kriegsgräberfriedhof bei Schelkowo

Während wir am nächsten Tag Sergiev Posad besuchten, das wichtigste Kloster Russlands, wanderten unsere Gedanken bereits weiter, zum Abend, zur Abschlussfeier. Alle hatten viel Spaß miteinander, aber  im nächsten Moment umarmte man sich und alle hatten Tränen in den Augen, weil wir wussten, dass der Abschied schlussendlich doch kam. Doch alle waren der Meinung, dass ein Wiedersehen nötig ist, vielleicht nicht sofort, aber doch noch in diesem Jahr. Trotz zweier verschiedener Sprachen verstand man sich oft auch ohne Worte.

So sind auch Schelkowo und Hemer grundlegend verschieden, zwei ganz unterschiedliche Städte in ganz unterschiedlichen Ländern. Und dennoch besitzen sie etwas, was sie für immer verbindet, ihre Freundschaft.


Anastasia Limbach

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Hotelanlage Junost in Schelkowo, im Hintergrund das Haus des Außenministers Molotow



Letzte Änderung: 10.05.2015