30.10.2017

Spätestens 1590 war auch die Vituskirche lutherisch

- Ralf Engel berichtet am 21.10.2017 im IKZ über einen Vortrag von Theologie-Professor Dr. Michael Basse -

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Über die Reformation in der Grafschaft Mark informierte Prof. Dr. Michael Basse im Woeste-Gymnasium

Der Theologie-Professor Dr. Michael Basse informierte über die Reformation, die religiöse und politische Motive verknüpfte.

Die Vituskirche war nach ihrem Abriss über Jahrhunderte weitestgehend aus dem Bewusstsein der Hemeraner verschwunden. Dass sie ein heimischer Ort der Reformation war, daran erinnerte nicht nur die Einweihung der Fundament-Nachbildung am Haus Hemer, sondern auch ein Vortrag von Professor Dr. Michael Basse über die Einführung der Reformation in der Grafschaft Mark.

Der Direktor des Instituts für Evangelische Theologie an der Universität Dortmund war auf Einladung des Gymnasiums, des Bürger- und Heimatvereins, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und des katholischen Pastoralverbundes nach Hemer gekommen, auch dies war schon ein Zeichen ökumenischer Verbundenheit, oder wie Prof. Dr. Jörg Trelenberg es formulierte: „Die Reformation wird mehr und mehr als gemeinsame Geschichte begriffen.“ Das sie keineswegs ein abgelegtes Thema sei, belegten Umfragen, in denen die Deutschen Luther als zweitwichtigsten Deutschen und die Bibel als zweitwichtigstes Buch einstuften. Auch die Besucherresonanz mit rund 150 Zuhörern – darunter die Geschichtsleistungskurse – spiegelte dies wider.

Wie sehr bei der Reformation religiöse Motive mit politischen Interessen verknüpft wurden, aber auch wie sehr Persönlichkeiten und das Engagement der Gläubigen die Entwicklung selbst in benachbarten Städten unterschiedlich beeinflussten verdeutlichte Michael Basse.

Deutliche Grenze zwischen den Herzogtümern

Hemer gehörte damals zur Grafschaft Mark im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg. In den Vereinigten Herzogtümern wurde ganz im Gegensatz zum streng katholischen Herzogtum Westfalen, zu dem Menden gehörte, eine mittlere und mitunter schwankende Linie zwischen dem Katholizismus und dem Luthertum verfolgt. So gehörte Iserlohn 1524 zur ersten Stadt in der Grafschaft, in der im reformatorischen Sinne gepredigt wurde. 1530 strahlte die Reformation auf die gesamte Grafschaft aus. Auch gegen den Widerstand des Rates konnten Bürger evangelische Predigten durchsetzen. Das Abendmahl in „beiderlei Gestalt“, also mit Empfang von Brot und Wein für alle, wurde gefeiert. Viele Beispiele nannte Basse aus Dortmund, wo die Quellenlage besonders gut ist. Die Patrizier und Zünfte verbanden ihre politischen Interessen mit den religiösen.

„Die Reformation vollzog sich von unten, Gemeinden ergriffen die Initiative“, berichtete Michael Basse. Wann eine Gemeinde noch altgläubig, wann schon lutherisch geworden sei, sei mitunter schwierig zu terminieren. So wird in Hemer das Jahr 1557 als Reformationsjahr angegeben. Unter Pfarrer Peter Matthiae wurde Sankt Vitus wohl zunächst wieder katholisch, um dann 1590 lutherisch zu werden. „Es hing auch ganz wesentlich von der Persönlichkeit eines Pfarrers ab“, sagte der Theologe. Auch auf die Zeit der Konfessionalisierung ging Basse ein. „Die Abgrenzung wurde wichtiger, als die Wahrnehmung des Gemeinsamen oder die Toleranz des Anderen“, sagte er. Mit Blick auf Gegenwart und Zukunft stellte er die Frage zur Diskussion. ob Identität und Toleranz miteinander verknüpfbar seien.
 
Text und Bild: Ralf Engel / IKZ vom 21.10.2017



Letzte Änderung: 30.10.2017